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  • KI: Denk für mich!

    KI: Denk für mich!

    Der momentane Hype um Tools, die auf künstlicher Intelligenz beruhen, ist begründet. So produziert z.B. das ChatGPT-Tool erstaunlich plausibel und elegant klingende Antworten auf natürlich sprachliche Anfragen. Sogar Code lässt sich so automatisiert schreiben.

    Bei komplexen Fragen versagt die KI jedoch noch, häufig weil Detailangaben fehlen. Bei der Anfrage eine morphologische Matrix zu befüllen, liefert sie folgendes Ergebnis:

    Morphologische Matrix von ChatGPT

    Zwar ist die Antwort an sich richtig, doch fehlt ihr die nötige Varianz und gedankliche Vielfalt, auf denen das Kreativwerkzeug im Kern beruht.

    Das Beispiel zeigt, dass die KI bei weitem noch nicht perfekt ist. Immerhin kann sie das Prinzip wiedergeben und mit etwas Hilfe in Form von konkreteren Anweisungen Ergebnisse verfeinern.

  • ChatGPT bei der Spieleprogrammierung mit Unity

    ChatGPT bei der Spieleprogrammierung mit Unity

    Was ist ChatGPT?

    ChatGPT (GPT für Generative Pre-trained Transformer) ist eine sprachbasierte künstliche Intelligenz. Man kann seine Fragen im Klartext formulieren und erhält verständliche Antworten. Sie ist eine der ersten KIs die von allen Benutzern kostenfrei genutzt werden kann. Jeder kann sich auf https://chat.openai.com/chat registrieren, um Fragen vom Rechennetzwerk beantworten zu lassen. Dabei sind die Antworten oft überraschend gut, wenn auch nicht immer sachlich richtig.

    Chat mit der KI
    Beispielantwort, die ChatGPT auf die Frage nach Techniken zur Ideenfindung liefert.

    ChatGPT für Unity nutzen

    ChatGPT kann vielfältig eingesetzt werden, sogar um z.B. einfachen Code-Fragmente generieren zu lassen. In folgendem Beispiel wollen wir, dass ChatGPT für uns eine Klasse erstellt. Die Klasse soll die Farbe von dem Gameobjekt ändern, wenn wir mit der Maus darüber fahren.

    Code von ChatGPT
    Unity-Code, der von ChatGPT generiert wurde.

    Dabei erklärt uns die KI wie der Code funktioniert. Das Ergebnis habe ich in einer Unity-Szene getestet:

    ChatGPT kann auch Stellung zu seinen eigenen Angaben nehmen und seine Antworten verbessern. Weisen wir im folgenden Beispiel ChatGPT an, den Code so zu ändern, dass die Farbe blau statt gelb wird:

    ChatGPT verbessert seinen Code
    Anfrage an ChatGPT einen bestimmten Teil seines eigenen Codes zu verändern.

    Risiken von ChatGPT

    Fehler

    Die KI ist schon sehr mächtig und kann ein nützlicher Helfer im Alltag sein. Man sollte sich jedoch nicht alleine auf die KI verlassen. ChatGPT gibt auch fehlerhaften Code zurück, oder macht falsche Aussagen, die auf den ersten Blick richtig aussehen. Dies tritt besonders häufig auf, wenn du komplexere Fragen stellst. Auch ein fertiges Programm kann noch nicht für dich produziert werden. Zum heutigen Zeitpunkt kann der Computer also die Prüfung des Ergebnisses durch eine fachlich geschulte Person noch nicht ersetzen.

    Rechtsverletzungen

    ChatGPT basiert auf dem Erfassen und Neu-Verknüpfen gegebener Daten, was zahlreiche Diskussionen darüber aufwirft, wer die Nutzungsrechte am Ergebnis hat, ob Urheberrechte durch KI verletzt werden oder welche kreative Schöpfungshöhe KI-Inhalte überhaupt erreichen.

    Code wird nicht immer von Grund auf neu geschrieben, sondern oft in Form von Code-Bibliotheken wiederverwendet. Dabei ist unklar, ob die KI auch die Nutzungslizenzen der fremden Bausteine richtig oder überhaupt berücksichtigt. Im Detail geht es dabei nicht nur darum, ob eine Bibliothek kostenlos verbreitet werden darf, sondern z.B. auch welche Lizenzen überhaupt miteinander kompatibel sind – eine Herausforderung, die vor allem im OpenSource-Bereich schnell unterschätzt wird.

    Aktualität

    Einfacher Code ist meist langfristig und über mehrere Entwicklungsumgebungen (z.B. Unity) gültig. Die ChatGPT-KI wurde mit einem Datensatz aus dem Jahr 2020 trainiert, so dass sie Aktualisierungen nach diesem Zeitpunkt noch nicht kennt. Dadurch kann generierter Code veraltet sein.

    Chancen von ChatGPT in der Spieleentwicklung

    Code generierende KI kann helfen, Unklarheiten anhand von Beispielen zu klären. Wenn Du Dir ein Tutorial, z.B. auf Youtube, ansiehst und einen bestimmten Teil nicht verstanden hast, kannst Du ChatGPT danach fragen, um den Inhalt nochmal aus anderer Perspektive erklärt zu bekommen.

    Ein Bereich in dem diese Form künstlicher Intelligenz in Zukunft zu einem festen Bestandteil des Entwicklungsalltags werden könnte, ist das Erzeugen von Impulsen zur Ideenentwicklung. Im Dialog mit der künstlichen Intelligenz werden vielleicht Themen und Ideen angesprochen, an die Du zuvor noch garnicht gedacht hast. Da die KI mit zuvor eingegebenen Daten arbeitet, bleibt aber zu bedenken, dass die Ergebnisse in weiten Teilen innerhalb des bekannten Wissens dieses Datensatzes liegen. Wieweit KI über den eigenen Tellerrand hinaus schauen kann, wird eine interessante Frage in der zukünftigen Entwicklung von Produkten wie ChatGPT sein.

    Zusammenfassung

    ChatGPT ist ein interaktives Frage-Antwort-System, das mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstaunlich gute Antworten auf verschiedenste Fragen liefert. So kann es z.B. auch Code für Unity generieren. Entgegen des Namens ist die KI aber nur im Ansatz mit menschlicher Intelligenz vergleichbar. Die Ergebnisse sind nicht immer korrekt, auch wenn sie so aussehen, weshalb eine kompetente und kritische Prüfung durch den Menschen (heute noch) unerlässlich ist.

  • Pre-Releases in Unity 2022.1.21f1 nicht sichtbar

    Pre-Releases in Unity 2022.1.21f1 nicht sichtbar

    Über den Package Manager lassen sich Softwaremodule in Unity installieren. Dabei besteht die Möglichkeit auch Vorschau-Versionen zu testen, deren Funktionen schon verfügbar, aber noch nicht endgültig fertig gestellt sind. Bei Unitys Augmented Reality Foundation ist derzeit etwa die Version 5 in Vorschau verfügbar, mit der es möglich ist, die Raumsimulation im Editor auszuführen. In bisherigen Versionen ist die Kopie auf ein Mobilgerät nötig, um das Scannen des realen Raums umzusetzen.

    In Unity Version 2022.1.21f1 funktioniert dies allerdings nicht. Eine Lösung findest Du unten.

    Aktivieren von Pre-Releases

    Vorschau-Versionen müssen zunächst aktiviert werden:

    • Menü Edit > Project Settings
    • Abschnitt Package Manager
    • Setze das Häkchen Enable Pre-release Packages im Abschnitt Advanced Settings
    Aktivieren von Vorschauversionen in den Project-Settings

    Wechsle zum Package Manager (Menü Window > Package Manager) und drücke ggf. den Refresh-Schalter. Danach sollten die Pre-Release-Versionen erscheinen.

    Vorschau-Versionen erscheinen im Package Manager.

    Workaround für Unity 2022.1.21

    In Unity Version 2022.1.21f1 erscheinen die Preview-Packages auch nach Aktivierung der Einstellung und Neuladen des Package Managers nicht. Es scheint sich um einen Fehler in dieser Unity-Version zu handeln. Du kannst ein Preview-Paket wie folgt manuell installieren – allerdings musst Du dazu wissen, wie die exakte Versionskennung des gesuchten Pakets lautet.

    Grundablauf des manuellen Installierens von Paketen

    • Jedes Unity-Projekt enthält im Unterordner packages eine Datei namens manifest.json
    • Diese Datei kann mit einem Text-Editor geöffnet und bearbeitet werden.
    • Änderungen übernimmt Unity beim Neustart. So werden fehlende Pakete, die in in der manifest.json stehen, automatisch installiert.

    Finden der gesuchten Versionskennung

    Um die Preview-Version in Unity 2022.1.21 zu installieren, musst Du den Eintrag für die Manifest-Datei kennen. Dazu kannst Du z.B. eine etwas ältere Unity-Version installieren, dort das Paket installieren und dann schauen, was in der manifest.json-Datei steht. Oder frage einen Freund oder in einer Online-Community nach der Versionskennung.

    1. Öffne die manifest.json eines Projekts, in dem das gewünschte Paket über den Package Manager installiert wurde. Gehe dazu im Datei-Explorer oder Finder in den Projektordner deines Unity-Projekts und dort in den Unterordner packages.

    manifest.json in einem Unity-Projekt

    2. Öffne die Datei manifest.json mit einem Rohtext-Editor, z.B. Notepad oder Notepad++.

    Inhalt der manifest.json, geöffnet in Notepad++. Markiert ist der Text, der zur Installation von AR Foundation 5 als Preview nötig ist.

    3. Kopiere die gesamte Zeile der gewünschten Version in die Zwischenablage (Strg+C).

    Manuelles Aktivieren des Preview-Plugins ohne Package-Manager

    1. Schließe Unity.

    2. Öffne nun im Ordner des gewünschten Unity 2022.1.21f-Zielprojekts wiederum die manifest.json-Datei in Notepad und füge die kopierte Zeile ein. Achte darauf, dass die Kommasetzung richtig ist, falls Du den Text als letztes einfügst.

    Wird die neue Zeile (hier …arfoundation…) ans Ende eingesetzt, so erfordert die vorhergehende Zeile ein abschließendes Komma und die letzte Zeile darf nicht auf Komma enden.

    3. Speichere die Änderung und öffne das Projekt erneut in Unity 2022.1.21. Unity sollte das neue Modul erkennen und installieren. Es kann sein, dass Unity einmal abstürzt, dann sollte es beim zweiten öffnen aber klappen und das neue Paket sollte auch im Package Manager erscheinen.

    Zusammenfassung

    Über den Package Manager werden Programm-Module in Unity-Projekte installiert. Vorschau-Versionen müssen in den Project-Settings aktiviert werden, damit sie im Package Manager erscheinen. Unity 2022.1.21f hat einen Fehler, der dafür sorgt, dass Preview-Packages nicht erscheinen. Ist die zu installierende Version bekannt, kann sie über manuell in die manifest.json-Datei den Projekts installiert werden.

  • Wincondition, Ziele und die Essenz

    Wincondition, Ziele und die Essenz

    Essenz: in einem Satz

    Die Spielessenz beschreibt die wesentlichen Merkmale, ohne die dein Spiel nicht mehr das selbe wäre. Die Kunst liegt darin, diese Merkmale auf das Wichtigste zu isolieren, so dass das Spiel in einem Satz beschrieben werden kann.

    Eine solche Mikro-Beschreibung ist nützlich, um das Spielprojekt schnell jemandem vorstellen zu können und sich zudem selbst darüber bewusst zu werden, was die eigene Idee im Kern wirklich ausmacht. Die Essenz lässt sich mit weiteren Details zu Thema, Story, Spielziel, Mechanik u.a. zu einer etwas längeren Kurzfassung ausbauen. Diese ist vergleichbar mit dem Klappentext auf der Rückseite von einem Buch. Dort wird die Handlung und das Thema kurz angeschnitten, ohne zu viel zu verraten. Es soll die Personen ebenfalls neugierig machen und Interesse wecken.

    Win Condition: wohin es geht

    Die Win Condition (Gewinn-Bedingung) ist oft ein Teil der Spiel-Essenz. Sie beschreibt worin das zu erreichende Endziel liegt und welche Wege es gibt, um das Spiel zu beenden. Dies könnte zum Beispiel sein, dass man den letzten Gegner bezwingt und man damit das Spiel gemeistert hat.

    Weitere Ereignisse wie der Tod der Spielfigur können ein Ende des Spiels bewirken, wenngleich sie nicht zum Erreichen des Ziels führen, also keinen Gewinn darstellen. Zwar kann der Spieler häufig an einem Speicherpunkt weiterspielen, dennoch ist das Spiel für den Moment unterbrochen bzw. das Spiel an sich zu Ende. Auch das Verlassen des Spiels ist eine Möglichkeit das Spiel zu beenden.

    Was ist ein Spielziel?

    Spielziele sind kleine Aufgaben, deren Bewältigung zu einem neuen Zustand des Spiels führt. Das kann z.B. Aufnahme/Verlust von Gegenständen, das Erreichen neuer Fähigkeiten oder das Öffnen zuvor versperrter Wege bedeuten. Gute Spielmechaniken unterstützen die Spieler dabei auf die Spielziele hin zu arbeiten und sie zu erreichen.

    Ziele finden sich auch im Inszenierungskonzept des gesamten Spielerlebnisses. Ein Ziel des Spiels Assassins Creed ist z.B. das Leben als Assassine, eine Art abenteuerlicher Attentäter, zu erleben. Die Kernmechanik dieses Spiels ist auf Auskundschaften der Welt, Verbergen der eigenen Identität und das Erledigen von Aufträgen ausgelegt – also Aktionen, die charakteristisch für das genannte Ziel sind.

    Staffelung von Spielzielen

    Während die Win Condition meist einen Endzustand des Spiels bewirkt, kommen viele Zwischenziele im gesamten Spielverlauf immer wieder vor. Ziele lassen sich nach Erreichbarkeit staffeln:

    • kurzfristige Ziele: z.B. ein Hindernis überwinden
    • mittelfristige Ziele: z.B. ein Level oder eine Welt abschließen
    • langfristige Ziele: z.B. die gesamte Spielwelt erkunden, die Win Condition erreichen

    Side-Quests sind ein typisches Beispiel dafür, dass (Teil-)Ziele auch optional sein können, weil sie nicht zwingend für das Voranschreiten auf das Endziel nötig sind. Eine Win Condition hingegen ist klar definiert und erforderlich, um das Spiel abzuschließen.

    Viele moderne Spiele haben keine finale Win Condition mehr. In MMOs zum Beispiel gibt es scheinbar endlos viele Ziele und neue Aufgaben sorgen für ständiges Weiterspielen.

    Wie finde ich gute Spielziele?

    Neben der Erreichbarkeit können andere Kategorien wie verschiedene Schwierigkeitsstufen ein Werkzeug zur Gestaltung von verschiedenen Spielzielen sein. Besonders bei Multiplayer-Spielen ist wichtig, dass alle Spieler und Spielerinnen die gleichen Chancen haben, das Ziel zu erreichen. Auch sollten die Aufgaben ausgewogen sein um nicht zu langweilen oder zu überfordern. Weil sich die Spielerfähigkeiten durch Spielen des Spiels verbessern, hilft ein Anstieg der Schwierigkeit im Verlauf des gesamten Spiels, die Herausforderungen auszubalancieren.

    Gute Spielziele motivieren und animieren zum Weiterspielen. Sie müssen konkret sein, damit die Spieler und Spielerinnen verstehen was sie tun sollen, sowie realistisch erreichbar, um nicht zu demotivieren. Attraktive Belohnung, motivieren zum Erreichen des Ziels, weshalb man bei vielen Quests die Belohnung bereits zu Beginn der Herausforderung gezeigt bekommt.

    Zusammenfassung

    Die Spieleessenz fasst den Kern eines Spiels kurz zusammen, um es schnell erklären und vorstellen zu können. Spielziele sind Herausforderungen innerhalb des Spiels mit deren Bewältigung Spieler und Spielerinnen auf das finale Spielziel, die Win Condition, hinarbeiten.

  • Kreativtechniken für Spielentwicklung

    Kreativtechniken für Spielentwicklung

    Es gibt verschiedene so genannte Kreativtechniken, die wie „Kochrezepte“ zum Finden von neuen Ideen funktionieren. Du kannst sie nutzen, um dein Spiel zu entwickeln und/oder Ideen zu verbessern. In diesem Artikel zeige ich dir ein paar Techniken.

    Klassisches Brainstorming

    Das klassische Brainstorming geschieht meist mit einem Stift und einem Blatt Papier. Dort wird zunächst einfach alles niedergeschrieben, was einem zum Thema des Spiels einfällt. Wichtig beim Brainstorming ist, dass erstmal alle Ideen aufgeschrieben werden. Versuche Gedankenketten frei zu folgen, weil assoziatives Denken schon oft zu neuen Impulsen führt. Zudem kannst Du ein Zufallswort einsetzen, um neue Ideen zu generieren. Wähle ein zufälliges Wort, z.B. durch wahlloses Aufschlagen eines Buchs, und versuche dieses Wort in die bestehende Gedankensammlung einzubauen. Die besten neuen Ideen entstehen dabei übrigens, wenn das Wort zunächst scheinbar keinen Zusammenhang zu den bisherigen Ideen hat.

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    Morphologische Matrix

    Die Morphologische Matrix ist eine Tabelle um Neues aus der Kombination einfacher Eigenschaften zu erschaffen. Hierfür werden zunächst separate Eigenschaften aufgeschrieben und untersucht, welche Ausprägungen für diese Eigenschaft möglich ist. Wenn es z.B. darum geht, Ideen für die Gestaltung der Landschaft eines Levels zu finden, kann eine solche Eigenschaft z.B. die grundsätzliche Geografie sein. Ausprägungen dieser Eigenschaft können z.B. wie folgt aussehen:

    Die Anzahl der Spalten kann beliebig erhöht werden. Wichtig ist, dass Du isoliert nur die Geografie betrachtest, dir also noch kein konkretes Endszenario vorstellst, weil das die Gedanken sofort auf etwas konkretes einschränkt und damit die Vielfalt der möglichen Ergebnisse reduziert.

    Überlege Dir dann weitere Eigenschaften und betrachtet sie isoliert. Weitere Landschaftseigenschaften könnten z.B. sein:

    Nach dem Du einige Eigenschaften und deren Ausprägungen aufgelistet hast, kannst Du nun Ideen generieren, in dem Du – möglichst zufällig – aus jeder Zeile einen Wert nimmst und zu einem Ergebnis kombinierst. Aus der Matrix oben könnte man z.B. folgende Schauplatz-Ideen ableiten:

    • steil + trocken + kalt + 80er + exotisch + gelb:
      Wir befinden uns in der kalten Arktis, wo ein Zeitreisender aus den 1980er-Jahren eine Klimakapsel in eine steile Eiswand gebaut hat. Alles Wasser ist gefroren, wodurch Trockenheit ein Problem darstellt. Um zu überleben hat der Reisende in der Klimakapsel ein exotisches Gewächshaus aufgebaut, dessen Pflanzen ihn mit Vorräten versorgen. Der gelbe Schein der Kapsel ist im blauen Eis weithin sichtbar…
    • flach + nass + warm + 80er + freundlich + lila:
      Mitten in einem riesigen, aber relativ flachen See (nass) findet ein Wake-Board-Rennen im Sommer (warm) statt. Das Design der Sportanzüge und -geräte ist inspiriert von einem 1980er-Jahre-Retro-Look bei dem die Farbe Lila dominiert.

    Beide Lösungen haben zu sehr unterschiedlichen Spielideen geführt. Die 80er kamen in beiden Lösungen, um zu zeigen dass auch einzelne Reihen über Ideen hinweg mehrfach genutzt oder auch beliebig getauscht werden dürfen. Natürlich darf der Fantasie auch bei der Interpretation freien Lauf gelassen werden: Was würde z.B. passieren, wenn man die „80er“ als 1880 auslegt?

    Weitere Rahmenbedingungen, die das Ergebnis beeinflussen können z.B. der Spieltyp sein. Obige erste Lösung würde hier z.B. eher für ein Spiel mit Handlung passen, während das zweite auch ein Casual-Game sein könnte.

    Konzept-Montage für ein Ergebnis der morphologischen Matrix

    Notizhefte

    Ein hilfreiches Konzept ist es, immer ein Ideenbuch bei sich zu haben. Dort können und sollen Ideen sofort festgehalten werden um nicht verloren zu gehen. Mir selbst kamen schon an den ungewöhnlichsten Orten Ideen, welche ich in späteren Situationen einsetzen und verwenden konnte.

    Eine besondere Form ist dabei ein Traumtagebuch. Es sollte neben dem Bett griffbereit sein. Dort wird dann alles was man träumt niedergeschrieben bevor man es vergisst. Solche Ideen sind einzigartig, da kein Mensch die selben Träume hat wie ein anderer.

    Viel erleben

    Kreativität wird meist als die Rekombination von bekanntem beschrieben. Unter dieser Annahme müssen wir selbst vieles Erleben, damit unsere Ideen und Konzepte einzigartig sind. Ziehen wir unsere Ideen nur aus den Ideen anderer, fehlt meist die Innovation. Viele bekannte Geschichten basieren auf dem Erlebten ihrer Autoren.

    Man muss nicht das Rad neu erfinden

    Natürlich kann man nicht das Rad neu erfinden. Bekannte Situationen und Konzepte werden immer in die eigenen Ideen und Vorstellungen mit einfließen. Dies ist oft auch gewünscht, damit der Spieler später nicht überfordert ist. So findet er sich zurecht und ist von frischen Einflüssen positiv beeindruckt.

    Es muss nicht alles beim ersten mal klappen. Ein wesentlicher Teil der kreativen Arbeit ist etwas auszuprobieren und zu überarbeiten, um dann wieder von vorne anzufangen. Dieser Zyklus wird immer wieder durchlaufen.

    Zusammenfassung

    Es gibt diverse Techniken um eigene Ideen auszuarbeiten und weiterzuentwickeln. Dabei ist das ständige ausprobieren und überarbeiten ein wichtiger Teil des kreativen Zyklus.

  • Was sind Serious Games?

    Was sind Serious Games?

    Ein Serious Game („ernstes Spiel“) ist ein Spiel, welches einen Mehrwert neben der reinen Unterhaltung bieten soll. So kann der Spieler z.B. neues lernen oder Wissen vertiefen.

    Lernspiele

    Sehr beliebt sind Spiele bei denen ein Spieler eine neue Fähigkeit spielerisch lernen kann. Es gibt Spiele mit denen man Vokabeln für eine Fremdsprache üben kann, sich zum Sport motivieren oder auch etwas völlig anderes. So wird oft Gamification als Mittel verwendet um den Lernspaß zu erhöhen. Es könnten Punkte vergeben werden wenn etwas richtig gemacht wurde und schnell kann man sich mit anderen messen.

    Serious Game zum Thema IT-Sicherheit im Büroalltag.

    Serious Games in der Industrie

    Auch in der Industrie kommen Serious Games zum Einsatz, z.B. um Personal zu schulen. Dieses kann eine Situation des Berufsalltags zunächst in einer sicheren virtuellen Testumgebungen üben, bevor der Einsatz im realen Szenario statt findet. Planspiele, bei denen Abläufe spielerisch nachvollzogen werden, sind ebenfalls ein beliebtes Konzept um Fähigkeiten zu schulen und weiterzuentwickeln.

    Serious Games in der Medizin

    In der Medizin finden sich erste Einsätze von verspielten Therapiemethoden, z.B. in der Bewegungstherapie oder um therapiebegleitend bei der Bewältigung von Depressionen oder Angststörungen zu helfen. Es gibt von der Politik auch bereits erste Ideen Apps vom Arzt verschreiben zu lassen und erste Apps werden von einigen Krankenkassen bereits unterstützt. Dieses Feld benötigt noch einiges an Forschung, könnte sich jedoch zu einem wichtigem Teil der IT-Branche entwickeln.

    Wie kann ich ein Serious Game entwickeln?

    Prinzipiell kann jeder ein Serious Game entwickeln. Die Frage ist welchen Anspruch sie erfüllen muss. Serious Games in der Medizin müssen meist als Medizinprodukt zertifiziert werden, um als solche angesehen zu werden. Dies ist meist mit hohen Kosten verbunden.

    Neben den Grundlagen der Spieleentwicklung sind oft auch didaktische Faktoren in der Produktentwicklung zu bedenken, zumal das Vermitteln von Wissen ein essentielles Ziel der Anwendung ist. Um zu prüfen, ob das Konzept letztlich auch den angestrebten Erfolg hat, können Evaluationen zu Einsatz kommen. Darunter wird das Testen der Anwendung durch unabhängige Spieler und Spielerinnen verstanden, womit eine systematische Auswertung der tatsächlichen Erfahrungen möglich wird.

    Zusammenfassung

    Serious Games haben neben der Unterhaltung einen weiteren Nutzen, häufig das Erwerben von neuen Fähigkeiten oder Wissensfragmenten. Um diese immer populärer werdenden Anwendungen zu entwickeln spielen neben Aspekten des Game-Design und Game-Engineerings üblicherweise auch didaktische Fragen eine Rolle.

  • Emotionen verstärken

    Emotionen verstärken

    Emotionen sind im Game-Design ein wichtiges Thema, weil sie eine starke Bindung zum Produkt herstellen. Ob es sich bei meinem Spiel um ein fröhliches, trauriges, aufregendes oder entspanntes Spiel handelt, ist eine wichtige Grundentscheidung bei der Gestaltung des Spielerlebnisses. In einem konsistenten Game-Design zielt die inhaltliche und audiovisuelle Konzeption der Handlung, eines Charakters, der Welt oder anderer Spielinhalte auf die selbe emotionale Wirkung ab, um die dramaturgische Gesamtwirkung zu verstärken. Eine traurige Handlung in einer fröhlich-bunten Welt würde beispielsweise widersprüchlicher wirken als ein in sich einheitliches Design.

    Charaktere und ihre emotionalen Motive

    Eine Emotion kann ein leitendes Motiv für den Charakter und seine Entwicklung sein. Handelt ein Charakter aus Rache, Liebe oder aus anderen Gründen? Dabei stärken Emotionen auch die Bindung und das Identifikationspotenzial mit dem Spieler. Können wir die Gefühle des Charakters verstehen und mitfühlen?

    Emotionen werden durch die Hintergrundgeschichte, Kleidung und Verhalten des Charakters betont oder übermittelt, was sich etwa mit Hilfe eines Charaktersheets planen lässt. Viele moderne Spiele bieten dem Spieler die Möglichkeit eigene Entscheidungen zu treffen, um die eigene Gefühlswelt in das virtuelle Geschehen einzubinden. Gefühle können im Charakter-Design Teil der Spielmechanik sein, z.B. wenn sich Bruce Banner in Folge eines Wutausbruchs zu Hulk verwandelt und dadurch neue Fähigkeiten erhält.

    Transport von Emotion über die Gestaltung der Welt

    Auch die Welt transportiert verschiedene Emotionen, zumal sich Varianten in der Thematisierung unterschiedlicher Level oder Szenerien dazu gut eignet. In World of Warcraft leben eine ganze Reihe von Völkern, die verschiedene Fraktionen, Gemeinschaften oder Konflikte der Spielhandlung darstellen. Die Thematisierung der Figuren wie auch ihrer jeweiligen Habitate erscheint sehr charakteristisch, um Zugehörigkeiten, Stimmungen und Wesensmerkmale zu transportieren.

    Im Laufe einer fortschreitenden Handlung ist es möglich, dass sich die Emotionalität um Charaktere und die Umwelt verändern. Der Wechsel an einen Ort, der Erinnerungen weckt, könnte z.B. sowohl die Erzählung voran treiben, als auch die dramaturgische Gefühlswelt für Figur oder Spieler(in) verändern. Auch die Spieler-Perspektive, führt zu einer unterschiedlichen Wahrnehmung und kann die Stimmung stark beeinflussen. So sind First-Person-Perspektiven in der Regel immersiver als Third-Person-Ansichten in denen die Spieler eine distanzierte Beobachterrolle einnehmen.

    Zusammenfassung

    Die emotionale Wirkung der Inszenierung prägt sehr stark das Spielerlebnis und wirkt sich somit darauf aus, wie ein Spiel wahrgenommen und erinnert wird. Werden neben der expliziten inhaltlichen Handlung auch weitere, subtile Aspekte wie Thema und Gestaltung von Figuren und Welten auf die emotionale Wirkung hin ausgerichtet, verstärkt sich der dramaturgische Effekt.

  • Gestaltung einer Spielhandlung

    Gestaltung einer Spielhandlung

    Die meisten Spiele haben heute eine Story. Früher gab es noch Spiele wie Pong oder Tetris, welche ohne eine solche auskamen. Heute erzählt eigentlich jedes Spiel eine Geschichte egal ob subtil oder direkt. In diesem Beitrag möchte ich dir helfen Erzählelemente in dein Spiel zu integrieren und zu nutzen.

    Drei Phasen einer Geschichte

    Bestimmt hast du schonmal in der Schule gehört, dass eine Geschichte aus drei Teilen besteht. Einem Anfang, die Mitte und das Ende. Nach diesem alten Konstrukt des klassischen Dramas wird auch heute noch gearbeitet.

    Die Einleitung

    In dem ersten Teil deiner Geschichte stellst du erstmal deine Charaktere vor und gibst einen Einblick in die Welt. In vielen Games findet dieser Teil als Tutorial statt. Egal ob es der erste Bereich oder das erste Level ist. Du zeigst dem Spieler deine Hauptfigur oder die Hauptfiguren und stellst den Konflikt vor. Dies ist die Mission, welcher der Held zu lösen hat. In Super Mario wäre es zum Beispiel die Prinzessin zu befreien.

    Der Mittelteil

    Hier geht es um den Konflikt an sich. Der Spieler versucht den Konflikt zu Lösen und wird dabei vor diversen Herausforderungen gestellt. Er erfüllt Aufgaben, besiegt vielleicht Gegner und lernt neue Fähigkeiten oder bekommt Gegenstände, welche ihm helfen zum Finalen Gegner oder Level zu kommen.

    Das Finale

    Hier löst sich der Konflikt auf und der Held oder die Heldengruppe stellt sich der finalen Herausforderung. Dabei ist noch nicht klar, ob es die Helden schaffen um eine Spannung zu erhöhen. So wird das Spiel zu einem Erlebnis. Im allgemeinen gibt es drei Möglichkeiten für das Ende eines Konflikts:

    • Das finale Hindernis wird bezwungen und der Held ist der Retter.
    • Das Hindernis wird demaskiert, indem es sich mit dem Helden vereinigt oder seinen Schrecken verliert.
    • Das Böse besiegt den Helden und dient als abschreckendes Beispiel.

    Direktes Storytelling

    Die Geschichte wird direkt erzählt, zum Beispiel durch Cut-Scenes, oder Dialoge. Bei dieser Methode wird direkt vorgegeben wie die Geschichte verläuft. Aus diesem Grund bedienen sich viele Game-Designer einem einfachen Trick. Sie geben in Dialogen Entscheidungsmöglichkeiten und fesseln so die Spielenden mehr an die Welt. Dadurch entsteht das Gefühl, dass die Entscheidungen die Welt und das Geschehen beeinflussen.

    Subtiles Storytelling

    Eine Geschichte wird natürlich auch mit Hilfe des Designs erzählt. In welcher Welt befindet sich der Spieler? Welche Herausforderungen begegnen dem Helden? Diese Elemente beeinflussen ein Spiel entscheidend. Stell dir mal ein Spiel über einen Krieg vor mit kunterbunten Regenbogenfarben. Es würde vermutlich die Handlung aus einer ernsten Ebene heben. Genauso kann man dies auch erreichen, indem man ein total düsteres Setting für ein Kinderspiel verwendet.

    Achte deswegen auf ein stimmiges Gesamtkonzept deines Spiels. Deine Umgebung (Spielwelt), deine Charaktere und die Gegenstände, sowie Aufgaben beeinflussen die Stimmung massiv.

    Auch die Spielmechanik kann subtil beitragen. Wenn wir als Aufgabe haben ein Feld zu bewirten, dann können wir vermutlich Pflanzen anpflanzen, gießen und uns um diese kümmern. Ist unsere Aufgabe hingegen das Besiegen von Gegnern, haben wir bestimmt Kampffähigkeiten.

    Offene Spielwelten als Mittel

    In Aufbauspielen oder MMOs hat der Spieler meist auch auf die Welt einen großen Einfluss. Er kann sie nach belieben gestalten und somit auch seine eigene Handlung kreieren. Achte also darauf, dass du dem Spieler diese Freiheit nicht nimmst oder sie einschränkst bei solchen Spielen. Auch Skilltrees oder Klassen können einen Einfluss darauf haben. Ist der Spieler lieber ein alter Zauberer oder ein junger Kämpfer. Möchte er passiv oder aktiv im Kampf sein. Soll seine Stadt die er baut alt oder modern sein. Solche Entscheidungen sind wichtig.

    Wie finde ich den richtigen Konflikt?

    Ein Konflikt bedeutet, dass ein Spieler etwas haben möchte, was er nur unter Schwierigkeiten bekommt. Außerdem muss etwas für die Figur auf dem Spiel stehen, damit das Thema bedeutsam und wichtig wird. Der Spieler bekommt Mitgefühl und ist gleich involvierter in die Handlung. Egal ob es darum geht eine Prinzessin, die Ernte oder das eigene Leben zu retten. Der Spieler identifiziert sich mit dem Helden oder der Heldengruppe und möchte Helfen. Dies gibt ihnen als Gamedesigner die Möglichkeit den Spieler an das Spiel zu binden.

    Es kann auch mehrere Konflikte in Spielen geben. Am einfachsten stellst du es dir als Quests vor. Jede Quest hat einen eigenen Konflikt und bietet uns eine Belohnung. Achte nur darauf, dass es eine Hauptquest gibt, welche über jeder anderen steht. Oft wird dies in Spielen mit Haupt und Nebenquests getrennt. Nebenquests sind nicht nötig um das Spiel zu beenden.

    Isoliere das kleinste Element. Muss der Spieler etwas Wecken, dann sucht er vielleicht laute Gegenstände oder Instrumente. Darum könnte eine Handlung gebaut werden. Ist der Spieler ein Farmer kann alles auf ein ländliches Setting heruntergebrochen werden.

    Spiele ohne Handlung

    Viele Menschen spielen Spiele wie Candy-Crush auf ihrem Handy, oder ähnliches. Es gibt auf den ersten Blick nicht so wirklich einen Helden oder Spielwelt. Dennoch folgen auch solche Spiele meist einer Trinität. Es werden die Regeln erklärt (Bildung von Reihen mit gleichen Steinen), dann gibt es Herausforderungen (Zeit Limit, Zug Limit) und am Ende wird das nächste Level erreicht (Lösung des Konflikts). Auch wird in solchen Spielen viel mit subtilen Elementen gearbeitet.

    Zusammenfassung

    Es gibt die Möglichkeit eine Geschichte direkt oder subtil zu erzählen. Meist besteht eine Geschichte aus Anfang, Mitte und Ende. Dabei muss der Spieler einen Konflikt lösen. Beim subtilem Storytelling kommt es vor allem auf Spielmechaniken und Spielwelt an. In einem Spiel kann es auch mehrere Konflikte, aber nur einen Hauptkonflikt geben. Spiele ohne Handlung folgen ebenfalls einer Trinität.

    Literatur

    • Tobias Breiner, „Psychologie des Geschichtenerzählens“
    • Jesse Schell, „Die Kunst des Gamedesign“

  • Balancieren von Spielmechaniken

    Balancieren von Spielmechaniken

    Damit ein Spiel Spaß macht, dürfen die Hindernisse nicht zu leicht sein, denn sonst wird das Spiel langweilig. Ist das Spiel dagegen zu schwer, wirkt das Vorankommen aussichtslos und es entsteht Frust, der das Weiterspielen verhindert. Eine Herausforderung an das Game-Design besteht deshalb darin, den Mittelweg zu finden, also Hürden und Erfolgserlebnisse auszubalancieren.

    Finden eines gelungenen Balancings

    Nach Gefühl

    Ein erster Ansatz besteht darin, den Spielprototyp nach dem eigenen Gefühl zu beurteilen. Du hast vermutlich schon mal ein Spiel gespielt und weist was sich fair anfühlt. Gerade in Spielen mit einem Klassen- oder Levelsystem fühlt man oft, ob eine Belohnung zu schwer zu erreichen ist oder ob Spieler mit besserem Level und einer besseren Ausrüstung viel stärker sind. Hier kann man oft durch einfaches Ausprobieren eine erste Lösung finden.

    Belohnungen und Strafen als Balancing-Einflüsse

    Belohnungen können eine positive Auswirkung auf das Spielerlebnis haben und den Flowzustand beeinflussen. Durch neue Ausrüstung oder Freischalten von Gebieten, sowie Erleichterungen (zum Beispiel Schnellreise), kann die Spieldynamik verbessert werden und der Spieler motiviert werden.

    Strafen wie z.B. der Verlust von gesammelten Ressourcen können die Herausforderung erhöhen, weil das Scheitern eine Konsequenz hat.

    Fairness im Mehrspielermodus

    Im Multiplayer ist das Balancing der Spieler untereinander sehr wichtig. Treffen Spieler mit unterschiedlich starkem Equipment aufeinander so könnte es zum sogenannten Raiden kommen. Dabei vermiesen Spieler mit einem sehr hohem Level anderen Spieler das Erlebnis indem sie zum Beispiel Questgegenstände klauen, oder NPCs besiegen. Aus diesem Grund gibt es in vielen MMORPGs Levelgrenzen die einen Spieler wieder zurücksetzen. In Shootern wie Call of Duty können Aufsätze für Waffen meist unabhängig vom Level freigespielt werden und bieten deswegen wenige Vorteile.

    Klassensysteme

    Klassensysteme stellen Optionen für ein variierendes Spielerlebnis dar. So haben Fernkämpfer in Rollenspielen meiste eine schwächere Rüstung um ihren Distanzvorteil auszugleichen. Auch in anderen Spielkonzepten findet man ähnliche Anpassungen. So gibt es in Shootern verschiedene Waffentypen die Vor- und Nachteile bieten. Selbst in Arcade-Spielen gibt es meist eine Charakterauswahl mit verschiedenen Stärken und Schwächen. Dies kann auch dem Identifikationspotential dienen und bietet dem Spieler die Möglichkeit das Spiel an seinen Stil anzupassen.

    Zusammenfassung

    In der Spieleentwicklung müssen Herausforderungen und Fortschritt balanciert, also in Einklang gebracht werden, damit das Spiel nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht ist. Eine erste Gewichtung ist meist durch eigenes Ausprobieren möglich. Bei umfangreichen Spielinhalten müssen einzelne Einflussfaktoren identifiziert und deren gegenseitige Wirkung untersucht werden. Belohnungen und Strafen sind ein Werkzeug um das Spielgeschehen zu balancieren. Bei Multiplayer-Konzepten hat das Ausbalancieren zudem einen direkten Einfluss auf die Fairness im gemeinsamen Spiel.

  • Was muss ich bei der Gestaltung einer Welt beachten?

    Was muss ich bei der Gestaltung einer Welt beachten?

    In diesem Artikel möchte ich mit dir die Facetten einer Welt ergründen und dir helfen deine Eigene Welt für dein eigenes Spiel zu gestalten.

    Wofür brauche ich die Spielwelt?

    Die virtuelle Welt ist ein Gamebit, also ein Grundbaustein eines Spiels. Sie stellt einerseits den Raum dar, in dem das Spielgeschehen statt findet. Andererseits reflektiert sie auch die erzählte Geschichte. Während sich Spieler und Spielerinnen in die Handlung und das Schicksal virtueller Charaktere einfühlen, stellt man sich beim Spielen vor, wie es wäre selbst in der virtuellen Welt selbst anwesend zu sein. Es findet hier also eine gedankliche Projektion statt (Literatur: [Schell 2020]).

    Verknüpfung von Handlung, Charakteren, Spielmechanik und der virtuellen Welt. Grafik: R. Bühling

    Welche Vorteile hat eine virtuelle Welt?

    Du hast bei einer virtuellen Welt alle Freiheiten dich auszutoben. Ob es die Physik ist, irgendwelche abstrakten Lebewesen oder Strukturen, sowie die Größe. Es liegt alles in deiner Hand. Auch kannst du mit Augmented Reality die reale Welt nach deinen Wünschen mit digitalen Elementen erweitern. Somit können ganz neue kreative Elemente deinem Konzept dienlich gemacht werden.

    Eine ganzheitliche Inszenierung

    Um die Glaubwürdigkeit einer virtuellen Welt zu stärken, ist eine ganzheitliche Inszenierung wichtig. Das bedeutet du solltest das Konzept, die Story und die Idee hinter der Weltgestaltung immer wieder aufgreifen, z.B. im Spielablauf, dem grafischen Design und der inhaltlichen Dramaturgie. Dadurch verstärken sich die Tiefe der Erzählung und Stimmung und Glaubwürdigkeit Deiner virtuellen Welt verdichten sich. Das Kernkonzept von Minecraft ist z.B. der quadratische Block. Alles in dem Spiel besitzt eine blockartige Struktur, z.B. auch Spielfiguren oder pixelige Schaltflächen und Schriftarten.

    Wie wecke ich das Interesse an einer Welt?

    Gib deinem Spieler etwas zum erkunden. Um das Interesse an etwas zu wecken benötigst du Erwartung und Ungewissheit. Ein Spieler würde eventuell in einer versteckten Höhle einen Schatz vermuten. Seine Erwartung macht ihn neugierig und er durchschreitet die Höhle. Auch eine Abwechslung der Welt kann den Entdeckergeist wecken. So gibt es vielleicht Gebiete die besonders kalt sind und von diesem Thema begleitet werden, vielleicht auch eine heiße Wüste. Greif auch hier wieder auf eine ganzheitliche Inszenierung zurück.

    Subtiles Storytelling mit Hilfe der Welt

    Die Welt selbst erzählt ebenfalls eine Geschichte. Gab es einen Krieg, sind überall Trümmer, befindet man sich auf einer Insel gibt es vielleicht exotische Pflanzen und so weiter. Hier ist es wieder wichtig eine ganzheitliche Inszenierung zu erschaffen. Charaktere, Objekte und Landschaften müssen im selben Stil sein. Auch eine generelle Stimmigkeit der Objekte ist wichtig. Nutze keine verschiedenen Modell-Stile in dem selben Spiel (z.B. LowPoly und Realismus parallel). Stelle die die grundlegende Frage: „Warum sieht es genau so aus und nicht anders“. Auch können mit leichten Tricks die Welten oft zusätzlich gestaltet werden. Sehe ich im Hintergrund viele Berge oder den Horizont, vermittelt mir die Welt eine größere Tiefe.

    Zusammenfassung

    Die Welt ist eines von mehreren Spielfragmenten (Gamebits), dessen Einfluss dich am vermitteln der Handlung liegt. Du kannst die Glaubwürdigkeit und erzählerische Tiefe der virtuellen Welt erhöhen, in dem Du in ihrer Gestaltung die Geschichte berücksichtigst, die erzählt werden soll. In einer virtuellen Welt gibt es weniger Limitierung als in der Realität, was neue Spielinhalte und Gesetzmäßigkeiten erlaubt.

    Literatur

    Schell, Jesse. (2020): Die Kunst des Game Designs: Bessere Games konzipieren und entwickeln. Norderstedt: BoD – Books on Demand. ISBN: 978-3-958-452824. S. 371 bei Amazon^